Ein Troll, wer anders dabei denkt

„Elf evangelikale Männer und eine Frau haben einen Aufruf veröffentlicht, in dem sie (wieder mal) behaupten, ihre Sicht auf Gott und Christentum sei die einzig wahre und alle, die etwas anderes glauben, hingen irgendwelchen Ideologien an.Antje Schrupp hat dazu einen Blogpost veröffentlicht unter dem Titel „Die Kirche und ihre Trolle“. Ein Kommentator (wawerka) geht auf den Blogpost und den Aufruf ein. Ich gehe auf diesen Kommentator ein.

Das ist ein krasser Artikel – ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, ihn zu kritisieren. Vielleicht der Reihe nach:
Wo schreiben denn die Initiatoren des Aufrufs, dass “ihre Sicht” die “einzig wahre” sei? Nirgends!

Das stimmt nicht. Bspw. hier (aus der Erklärung „Zeit zum Aufstehen„):

Allein durch die Bibel finden wir einen Maßstab für das, was wir glauben und wie wir leben. Bewegt von seiner Liebe, stehen wir gemeinsam auf gegen Lehren, Ideologien und Kräfte in unseren Kirchen und in unserer Gesellschaft, die die Würde des Menschen in Frage stellen, die Freiheit des Bekenntnisses einschränken und das Herzstück unseres Glaubens preisgeben.

Hier wird m.E. ein Feindbild erzeugt. Außerdem sind es tatsächlich innere Überzeugungen, die den Leuten anscheinend Stress verursachen, weil sie glauben, ihnen will jemand ans Leder, will ihnen was streitig machen. Wären sie in ihrem Glauben/in sich selbst fest verankert, würden diese Ängste sie nicht leiten können. Was nicht bedeutet, dass sie sich mit ihren Ängsten nicht auseinandersetzen müssten. Was sie jedoch nicht wirklich tun. Was sie tun, ist aus meiner Sicht: die Reihen schließen, eine Front bilden, niemanden hineinlassen, von dem man annimmt, er/sie ist nicht vom gleichen Holz. Mir kommt das alles vor wie aus Zeiten, wo man tatsächlich um sein Leben fürchten musste, wenn man einem bestimmten Glauben anhing. Bzw. wie es in manchen Weltregionen auch heute geschieht.

Wir stehen auf für Jesus Christus und gegen alle Lehren, die die Versöhnung durch seinen Tod am Kreuz in Frage stellen und seine leibliche Auferstehung leugnen. Wir stehen auf für die Verkündigung des Evangeliums in aller Welt und gegen die Behauptung, Menschen bräuchten keine Erlösung.

Das ist, wie ich finde, Zwang – wenn er denn ausgeführt werden würde. Es klingt nach Missionierung: und bist du nicht willig, so brauch´ ich Gewalt. Meiner Meinung nach wird hier projiziert: wenn anders Denkende den Erlösungsgedanken nicht haben, so beziehen einige Gläubige das wohl auf sich selbst und fühlen sich in ihrem eigenen Glauben angegriffen. Deshalb gehen sie zur Verteidigung über, als müssten sie alle davon überzeugen, dass das, was sie glauben, richtig ist. Ihnen fehlt dann die Gelassenheit, andere Überzeugungen stehen zu lassen. Sie glauben von sich anscheinend, sie müssten die Welt und alle anders Denkenden bekehren, um sie zu retten.

Wir stehen auf für die Wahrheit des Wortes Gottes und gegen die Kritik an der Bibel als Autorität für die Lehre der Kirche und das Leben der Christen. Die Bibel ist immer aktueller als der jeweilige Zeitgeist.

Auch das richtet sich gegen anders Denkende. Wer das nicht begreift, wer das schwarz auf weiß so geschrieben sehen muss, um es zu glauben, der zeigt damit, dass er hörig ist: er glaubt nur an das, was er schwarz auf weiß zu lesen bekommt. Er sucht dann anscheinend in einer Bibel Antworten auf die Fragen des Lebens wie in einem Lexikon. Und was nicht im Lexikon steht (weil es vielleicht eine alte Ausgabe ist), das muss dann irgendwie falsch sein, das gibt es nicht, das muss neumodischer Firlefanz sein. Das macht einem dann wohl Angst. Weil man keine Antworten findet im Buch, schwarz auf weiß. Weil man nicht gelernt hat, sich selbst Antworten zu geben, nach Antworten zu suchen, Gott Fragen zu stellen und darauf zu vertrauen, dass einem die Antwort zuteil wird.

Wir stehen ein für die Ehe von Mann und Frau. Sie ist für jede Gesellschaft grundlegend.

Das ist ein Dogma, ganz eindeutig. Dieses Bekenntnis will – für alle – etwas Verbindliches schaffen, woran sich alle zu halten haben. Hier scheint mir Vorstellungsvermögen zu fehlen, wie eine Gesellschaft sich entwickeln könnte, wenn das traditionelle Bild von Mann und Frau als Keimzelle allen Lebens aufgeweitet wird. Hier scheint Angst eine Rolle zu spielen, weil man sich das wie gesagt, partout nicht vorstellen und darin nur etwas Schlechtes sehen kann – weil: es steht ja auch so nicht in der Bibel (evtl., ich habe die Bibel nicht gelesen). Jedenfalls nicht an den Stellen, die man bisher gelesen hat. Oder die einem von anderen interpretiert worden sind. Oder es steht auch anders darin – denn die Bibel soll ja Interpretationsraum haben – nur man selbst kann es nicht entdecken, weil man es aus einer bestimmten Sicht liest. Diese Sicht verhindert, dass man andere Stellen überhaupt entdeckt und sie verhindert, dass man manches sowohl so als auch anders betrachten könnte. Es fehlt dann an Flexibilität.

Allein der Vorwurf ist absurd: Es ist doch erkennbar, dass die Autoren hier nicht etwas präsentieren, das sie für ihre religiöse Privatmeinung halten (für “ihre Sicht”, wie man es beispielsweise mit dem Fasten hält, ob man liturgische oder freie Gottesdienste lieber mag etc.), sondern dass sie sich zu den theologischen Basisaussagen des Protestantismus bekennen. Es geht ihnen gerade nicht um ihr subjektives Urteil zu Einzelfragen, sondern vielmehr um die intersubjektive[J1]  Übereinstimmung zu einem “Gesamtbild” des evangelischen Glaubens.

J1)Hier musste ich erst mal nachschlagen: „Der Begriff Intersubjektivität wird allerdings, wie auch die Begriffe Subjektivität und Objektivität, in vielen Theorien unterschiedlich verwendet und präzisiert. Insbesondere spielt er dann eine Rolle, wenn betont werden soll, dass bestimmte Probleme nur dann angemessen behandelt werden, wenn Beziehungen zwischen Personen mit ihren jeweiligen Sichtweisen zugrundegelegt werden.

Fein, dass der Autor genau das bestätigt, was Ausgangspunkt des Stirnrunzelns ist und das Antje Schrupp benennt: die Punkte der Erklärung stammen von einigen Gläubigen, die sich darin einig sind, dass das was sie glauben dem Gesamtbild des evangelischen Glaubens entspricht. Das Problem scheint mir zu sein, dass der Autor es nicht realisiert/nicht realisieren kann.

Das muss man doch erst einmal wahrnehmen und verstehen, bevor man die Leute kritisiert.

Ja, genau: das muss der Autor erst einmal wahrnehmen und verstehen – für sich selbst, auf sein eigenes Denken bezogen.

Fundamentalisten”, “Machtposition”, “Drohkulisse”, du lieber Himmel, gehts nicht noch ein bisschen alarmistischer? Bei diesem Vokabular bekommt man ja den Eindruck, eine finstere Horde evangelikaler Taliban stünde kurz vor der Machtübernahme

…Dass die Konservativen kurz vor der Machtübernahme stünden, ist m.E. tatsächlich etwas, woran der Autor glaubt, wie er selbst schreibt. Auf mich wirkt die entsprechende Passage wie: „Wenn wir erst mal an der Macht sind, dann werdet ihr (anders Denkende) schon sehen…Dann werden WIR festlegen, was ihr zu glauben habt.“

Jetzt fehlt eigentlich nur noch die abgedroschene Nazikeule! – Erkennen Sie doch einfach mal an, dass die 70er Jahre vorbei sind und es mittlerweile eine wachsende Fraktion theologisch konservativ gesinnter Christen gibt – und dass es völlig legitim ist, wenn sie sich zu ihrem Glauben bekennen und öffentlich dafür werben.
Das führt uns zu den Inhalten dieses Bekenntnisses: Was konkret finden Sie denn daran dermaßen anstößig?

Da werden dem Leser in unaufgeregten, durchweg positiven Formulierungen Glaubenssätze vorgestellt, die zum theologischen Grundbestand der evangelischen Kirchen gehören. – Darüber hinaus gehört ein Urteil wie “Alle anderen Religionen sind falsch (auch ein Satz, der gar nicht in der Erklärung steht) zum Grundverständnis einer jeden Religion. Wenn Gott das ist, “was mich unbedingt angeht” (Tillich), wenn es bei einer Religion mithin um Unbedingtes, Letztgültiges, Existenzielles[J2] * geht, dann ist das Urteil, dass alle anderen Religionen falsch sind, eine logische Konsequenz[J3] .

J2) Bei einer Religion geht es um Unbedingtes, Letztgültiges, Existenzielles. Etwas Letztgültiges? Das kann aus meiner Sicht tatsächlich nur aus den Hirnen von Menschen kommen, nicht jedoch von einer größeren Macht.

J3) Der Autor schreibt das so hin und im nächsten Blogkommentar kommt es mir so vor, als hätte er es bereits vergessen. Oder aber er ist sich tatsächlich nicht bewusst, was er denkt, sagt, fühlt und schreibt. Als wäre es ein Mantel, den er sich umgehängt hat und aus deren Taschen man solche Bekenntnisse zieht. Der Mensch ohne den Mantel jedoch ist vielleicht ein eher unbeschriebenes Blatt.

Diese Glaubenssätze waren für Luther verbindlich, für Melanchthon, für Wichern, für Bach, Barth & Bonhoeffer, und zum größten Teil sind sie verbindlich für die weltweite Christenheit.

Und “diese Leute” hätten die Kirche “gekapert”? Kann man die Tatsachen noch stärker verdrehen? “Diese Leute” vertreten den Konsens dessen, was man bisher gemeinhin als “evangelischen Glauben” verstand.

Das Bild vom “Kapern” ergibt doch nur im Zusammenhang mit Leuten Sinn, die diesen Konsens aufkündigen (aus welcher Vollmacht? kraft der eigenen Wassersuppe?). –

Hier geht es wieder darum: es sind die anderen, die etwas tun, was aus der Norm fällt. Was „bisher gemeinhin“ als Konsens verstanden wurde, wird von anderen „aufgekündigt“ (das ist ebenfalls eine innere Überzeugung: jede, die etwas in Frage stellt, kündigt damit gleich das bisher Geglaubte auf. Nach dem Motto: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Das hat was Diktatorisches.

Keiner kann irgendjemanden daran hindern, irgendeinen Konsens aufzukündigen, das gehört sowohl zu unserer demokratischen wie zu unserer evangelischen Freiheit: Aber den anderen dann vorzuwerfen, sie würden “die Kirche kapern”, ist, nachsichtig formuliert, unredlich.

Genau das tut der Autor jedoch. Er kann es offenbar nur nicht verstehen, weil er sich selbst zu diesen Aussagen nicht in Beziehung setzt. Würde er das in der Ich-Form schreiben, hieße der Satz so: Ich kann niemanden daran hindern, den Konsens aufzukündigen. Dem Autor geht das jedoch offensichtlich gegen den Strich. Er will nicht, dass andere den Konsens aufkündigen, der für ihn gilt. Er will auch nicht, dass andere damit durchkommen, weil das nicht seinem eigenen Weltbild entspricht. Deshalb sieht er in diesen Leuten eine Art Piraten (auch wenn er das Bild mit dem Kapern von Antje Schrupp hat), die den bisher allgemeinhin als evangelisch betrachteten Glauben und seine Fundamente vereinnahmen/“kapern“ wollen, wogegen sich die Konservativen wehren müssen. Mir fällt dazu ein Vergleich mit Archäologie ein: auch hier hat es gegeben und gibt es jahrelang gültige Vorstellungen und Annahmen, die aufgrund des jeweiligen Kenntnisstandes entstanden sind. Die jedoch erneuert werden, sobald man Zeugnisse findet, die dem bisher Angenommenen widersprechen.

Was nun Ihren “Kreuzzug” gegen die Dogmen betrifft: Dogmen sind Bekenntnisse, und

die Meinung, Glaube bräuchte keine Bekenntnisse ist genauso absurd wie die Meinung, Liebe bräuchte keine Worte.

Das ist mir unverständlich.

Tun Sie doch bitte nicht so, als sei irgendein Mensch gezwungen, sich diese Dogmen persönlich anzueignen – das ist nicht der Fall, schon gar nicht in unserem Land und zu allerletzt in den evangelischen Kirchen.

Ja, genau, es ist und wird niemand gezwungen, sagt der Autor. Aber wem das nicht passt, der kann sich was eigenes gründen. Das erinnert mich an die DDR. Nach dem Motto: geh doch in den Westen, wenn es dir hier nicht gefällt. Oder: geh doch in den Westen, wenn du es dort so viel besser findest. Auf zwischenmenschlicher Ebene angesiedelt bedeutet es (bei Kritik): Such dir doch jemand anderen, wenn du mit mir nicht zufrieden bist. Unterm Stricht bedeutet das: Ich will nichts verändern, weil ich dafür keine Notwendigkeit sehe. Ich sehe keine Notwendigkeit, etwas zu hinterfragen/ändern, weil alles richtig ist, wie ich es sage und tue.

Im Gegenteil, Luther hat immer wieder betont, dass man niemandes Gewissen zwingen kann!

Aber jeder, der glauben möchte, sollte doch erfahren, worauf er sich einlässt. Womit er zu rechnen hat, wenn er zu uns kommt. Was unsere Spielregeln sind.

Das klingt nach Gruppenzwang. Wenn es Konsens ist, ist es einerseits verständlich. Andererseits, wenn die Regeln starr sind, vermittelt es mir den Eindruck von etwas Abgestorbenem, etwas, das sich nicht entwickelt. Etwas, das nicht dem natürlichen Kreislauf entspricht.

Die Verweigerungshaltung bestimmter “Liberaler”, die zu keiner konkreten Aussage fähig sind, die über die Mahnung zu ein paar gutbürgerliche Allgemeintugenden hinausgeht, mutet mir stellenweise pathologisch an.

Verstehe ich nicht: wer mahnt hier wen?

Wer mit Begriffen wie “Pluralismus” und “Toleranz” hantiert, seine Glaubensgeschwister dabei aber als “Trolle” diffamiert, scheint mir den eigenen Anspruch nicht einlösen zu können oder zu wollen. Ich würde das ein geradezu typisches Verhalten nennen: Die Toleranz derjenigen, die sich das größte Toleranzschild umhängen, reicht meiner Erfahrung nach meistens geradeso bis zum eigenen Tellerrand.

Das ist PingPong spielen. Nach dem Motto: mach du doch erst mal das und das, bevor du was an mir kritisierst. Für mich zeugt das von mangelnder Kritikfähigkeit. Sehr weit verbreitet. Auch weit verbreitet: das Projizieren eigener Schwächen und Unzulängllichkeiten auf andere. Es ist eine Strategie – bewusst oder unbewusst – sich nicht mit den eigenen Schwächen auseinandersetzen zu müssen.

Mit Ihrem letzten Absatz stimme ich vollkommen überein: Wozu brauchen Sie die Kirche? Wenn Ihnen die Dogmen der Kirche nicht passen, wenn Ihnen der Konsens nicht passt, wenn Ihnen die Leute nicht passen, wenn Sie das alles so unerträglich, unvernünftig und un-wasweißich finden, was hält Sie dann in diesem Laden? Warum machen Sie nicht Ihren eigenen Laden auf, den Sie ganz nach Ihren Vorstellungen einrichten können, wo Sie bessere Waren verkaufen können als das mittelalterlich miefende Sortiment der Kirchen? Das begreife ich wirklich nicht, zumal Sie Ihre Energien nicht in einem so sinnlosen Kampf verpulvern müssten (denn sinnlos ist er wirklich: der Konservatismus ist z. Zt. im Kommen, sowohl im religiösen wie auch im politischen Bereich) … Liegt es möglicherweise daran, dass es Ihnen Spaß macht – zu trollen?

Das ist Projektion in Reinkultur. Und es bedeutet aus meiner Sicht: Anpassung in Reinkultur. Um dazugehören zu können.

Aus meiner Sicht ist der Autor voll und ganz ein Troll.
Für mich ist ein Troll jemand, der nicht in der Lage ist, das eigene Denken zu überprüfen.

 

 

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13 Antworten zu Ein Troll, wer anders dabei denkt

  1. alexschnapper schreibt:

    Danke für den sehr ausführlichen Kommentar zu dem wirklich ersichtlichen Troll auf Antje’s Blog.

  2. matthias jung schreibt:

    Ja, vielen Dank für die gründliche Auseinandersetzung mit den verschiedenen Argumenten.

  3. onlinemeier schreibt:

    Vielen Dank für das Feedback!

  4. Berta Brahmer schreibt:

    Eine sehr große Fleißarbeit, die zu denken gibt: Wozu diese Mühe?
    Muß das alles in Erbsenleserei be- und widerlegt werden? Ich kann mir nicht vorstellen, daß ich zu den ähnlichen Bewertungen nur nach der Lektüre einer Analyse wie der Ihrigen komme.
    Im Gegenteil: Ich schau mir die Äußerungen der „Evangelikalen“ an und bin im Bilde, und dann war es das, sollen sie doch, wenn sie das so brauchen, sie sind offensichtlich anderen Gedanken nicht zugänglich, weil sie sich festgelegt haben, weil sie das so wollen.
    An diesen Fakt schließt die Anlage Ihrer Erwiderung direkt an, haben Sie das nicht bemerkt?
    Auch Ihr Text zeigt das – nun aus Ihrer Sicht – so.

    So interessant (und meist auch treffend) Ihre Argumentation, deren Struktur und die Gesamtstrategie daherkommt, erinnert sie letztlich dann irgendwann eher dem Muster einer Belegarbeit, war das beabsichtigt?

    Damit entfernt sich leider nun das gute Argument durch den Versuch der clinen Form für mich zu sehr vom Anliegen, die Position dieser Leute abzuwehren, nur wozu? Muß man damit jemandem überzeugen, ist das zur Gegen-Propaganda gedacht?

    Soeben spricht unser Pfarrer BundesGauck im TV die Worte:
    In unserer Gesellschaft darf jeder anders sein“ – Bei Ihnen nicht? Ist denn nur Ihre Sicht die für alle gültige? Es stört Sie doch an keiner Stelle, wenn da einige Leute ihre Weltsicht erklären, oder tut es das doch?
    Wieder meine Frage: Wozu muß man in vorliegender Form und mit ständigen Eigendeutungen dessen, was andere gemeint hätten und was daraus zu erkennen zu sein hat – es könnte doch aus anderer Sicht ganz anders bewertet werden, z.B. noch viel verrückter ?

    Anfangs las ich Ihre Überlegungen gern (nur deshalb verweile ich noch), dann nur noch mit Interesse, und schließlich fragte ich mich nur noch, ob das eventuell ein neuer Weg zur Selbstheilung ist, zur Selbstheilung von einem Problem, das mir nicht bekannt ist, oder auch nur als eine Ersatzhandlung, auch zur Trollerei bestens geeignet, da es dem dafür bekannten Muster etwas folgt.
    Es ist schade, daß Ihre klugen Gedanken wie als Produkte eines verbalen Scharfrichters den Leser erwischen und ihm Spaß am Lesen nehmen.
    Eventuell ist der getroffene Aufwand wohl doch mehr die Kanone, die unbedingt den Spatz treffen will – und dabei ganz ganz sicher gehen möchte, daß der nicht entwischen kann.
    So sehr mir Ihre Klarheit imponiert, so sehr fühle ich mich auch ungefragt bevormundet (nicht mal belehrt) und als Leser kommunikativ deutlich unterschätzt.
    Eventuell sollte ich anderes von Ihnen lesen, um den „ich sehe hier durch und liste das nun auf, damit jeder sieht, was ich kann“-Eindruck wieder los zu werden und zurück zum thematischen Genuß zu kommen.

    Man könnte doch diesen armen „Elferrat“ auch belächeln, freundlich wohlwollend gegenüber Andersdenkenden und ohne sich als das Maß aller Dinge zu verstehen, das geht viel schneller, ohne Wut im Bauch und kommuniziert sich schön, meinen Sie nicht auch?

  5. Berta Brahmer schreibt:

    Anderes Thema:
    „Für mich ist ein Troll jemand, der nicht in der Lage ist, das eigene Denken zu überprüfen.“

    Sind Sie sicher, onlinemeier, daß das Troll ist, sein soll, oder haben Sie das nur für sich, für das eigene Auskommen so formuliert?
    Ich lese da desöfteren, daß Trol (die Netzkultur betreffend) jemand sei, der „gezielt provoziert“.
    Kommt Ihnen das nich bekannt vor – oder was ist gegen gezielte Provokation einzuwenden in der Netzkultur?
    Aus meiner Sicht doch nur, wenn Troll (nicht mehr) vonnöten ist
    In jeder Küche gibt es Gewürze und Zutaten, in Ihrer nicht?

  6. onlinemeier schreibt:

    Danke, Berta Brahmer für die Kommentare. Ihre Schreibe kommt mir sehr bekannt vor. Allerdings unter einem anderen Namen.

    Auf einige Fragen möchte ich antworten:

    Wozu diese Mühe?
    Die Kommentare des Autors waren für mich dermaßen unverständlich und widersprüchlich, dass ich nicht verstehen konnte, worum es dem Autor überhaupt geht. Deswegen habe ich das für mich auseinandergenommen und analysiert. Ich wollte sehen, ob es einen Kern gibt und wenn ja, welchen. Das macht mir außerdem Spaß.

    Woran ich anknüpfe,
    sind nicht die Äußerungen der Evangelikalen, sondern die Kommentare eines Autors zu dem o.e. Blogeintrag.

    Meine Absicht war/ist,
    zu verstehen – in erster Linie. In zweiter Linie stört es mich, wenn Leute in Blogs – zu interessanten Posts – sich als Besserwisser/-innen und Rechthaben-wollende aufplustern – und dann noch die Diskussion dominieren. Ich mag es lieber konstruktiv.

    Position abwehren,
    darum geht es mir nicht: eine inhaltliche Position abzuwehren. Mein Thema sind negative innere Überzeugungen, die zu einer negativen Grundhaltung führen. Wenn diese negative Grundhaltung verquickt wird mit inhaltlichen Argumenten und so zu einem dogmatischen Denk- und Kommunikationsstil führt, reizt es mich, dem, was dahinter liegt, aufzuspüren. Mein Anspruch ist eher Klarheit.

    Niemandes Sicht ist die für alle gültige. Weder meine, noch Ihre, noch die von jemand anderem. Leute, die sich „trollig“ benehmen, haben jedoch i.d.R. genau diese Attitüde, dass ihre eigene Sicht die Richtige ist und die der anderen falsch.

    Selbstheilung,
    ja, seinen eigenen inneren Überzeugungen auf die Spur zu kommen, ist Selbstheilung. Negative Überzeugungen führen zu Stress. Damit verbunden sind negative Gefühle, Körperreaktionen und Denkmuster. Das ist ein Kreislauf.

    Was mit dem Gelesenen passiert, ist sicherlich bei jedem anders. Wenn Sie keinen Spaß am Lesen haben, dann hören Sie einfach auf. Ebenso, wenn Sie sich bevormundet fühlen. Niemand zwingt Sie.

    Belächeln,
    tue ich den „Elferrat“ nicht. Habe mich mit drei von ihnen in Verbindung gesetzt, um zu erfahren, was sie bewegt, welche Motivation sie haben. Alle drei haben mir geantwortet. Nette Menschen. Wir sind nicht einer Meinung. So ist das eben.

    Einige Ihrer Äußerungen sind Unterstellungen.

    Was das Troll sein angeht, so habe ich ja geschrieben, was für MICH ein Troll ist. Was ein Troll noch so alles ist und was die Absichten ist mir bekannt. Dass eine Trollin ihre Ergüsse für gezielte Provokation und damit für die Würze einer Diskussion hält, würde ich gleichsetzen mit „ich habe recht, ihr anderen müsst halt nur mal verstehen, dass es so ist, wie ich sage.“ Das langweilt mich. Insofern ist die Analyse solcher Kommentare in der Tat eine Ersatzhandlung – gegen Langeweile.🙂

  7. Berta Brahmer schreibt:

    Auch danke onlinemeier.
    Wie ich sehe, sind Sie wohl nicht ganz so festgezurrt, wie der Text signalisiert.
    Ihre Motivation erklärt mir einiges. Keine weitere Nachfrage, außer dazu:
    „Leute, die sich „trollig“ benehmen, haben jedoch i.d.R. genau diese Attitüde, dass ihre eigene Sicht die Richtige ist und die der anderen falsch“, das ist wohl nicht schlüssig in sich und mehr ihrer eigenen Vorstellung davon, wobei „sich trollig benehmen“ und als Troll auftreten zwei völlig verschiedene Dinge sind, sie sind nachlesbar, weil „eingemeindet“.
    Sie behaupten „“Für mich ist ein Troll jemand, der nicht in der Lage ist, das eigene Denken zu überprüfen.” – die (für mich nicht grundsätzlich „zuständige“ Wikipedia sieht das genau entgegengesetzt, sonst könnte Troll wohl kaum „gezielt provozieren“, und dem schließe ich mich, nach vielen anderen, auch an.
    Es kommt mir fast so vor, als ob Sie gern das gezielte Bashing mit dem Troll und seiner positiv diskussionsbereichernden Art verwechseln, besonders Ihre Vorstellungen zum Troll an anderer Stelle, die ich genüßlich mir einfuhr, deuten darauf hin:
    Fast alles was Sie da schreiben ist nichts anderes als der Generalstabsplan für erfolgreiches Bashing und hat mit einem Troll nicht die Bohne zu tun, erklärt nun auch(zumindest mir), was da in diesem Text bei und mit Ihnen passierte.
    Seien Sie gewiß, wenn Sie einem echten Troll begegnen, finden Sie auf diese Weise nichts dergleichen.
    Jedoch beim Suchen danach hält man möglicherweise schnell mal alles, was man nicht auf Anhieb versteht oder nicht in das selbst erstellte Bild paßt, statt für Bereicherung schnell mal als „Troll a la onlinemeier“ und selektiert es in müder Routine.
    Zuviel der Worte, wollte nur mir Klarheit zum Elferrat und Ihren gelegentlich etwas zu forschen weil voreiligen Schlußfolgerungen verschaffen.
    Wenn Ihnen da etwas bekannt vorkommt, sind Ihnen eventuel schon mal echte Trolls unter die Augen gekommen.
    Dennoch: Sie haben eine scharfe brisante aber (noch) nicht verletzende Schreibe, die in anderer Verwendung sicher Erfolg verschaffen kann, sollte, und die soweit vom „echten“ Troll nicht entfernt ist, Sie wissen es nur noch nicht.

  8. onlinemeier schreibt:

    @Berta Brehmer alias Michaela Lusru alias Admiral Nelson alias ….

    1. „Für mich ist ein Troll…“ ist meine Meinung. Das ist keine Behauptung (im Sinne einer Tatsache)
    2. Sie halten sich für einen Troll und damit für positiv diskussionsbereichernd.
    3. Ich halte Sie für einen Troll und für mich nicht diskussionsbereichernd.
    4. Sie brauchen sich um weitere ermüdende Kommentare nicht bemühen.

    Tipp: Schaffen Sie sich ein eigenes Blog an.

  9. onlinemeier schreibt:

    Das wichtigste habe ich vergessen:
    5. Ich will gar nicht verletzend schreiben.

  10. mkarbacher schreibt:

    Aus meiner Sicht ist der Autor voll und ganz ein Troll.
    Für mich ist ein Troll jemand, der nicht in der Lage ist, das eigene Denken zu überprüfen.

    Eine interessante Behauptung, über die ich seit gestern nachdenke.
    Was ist damit gemeint? Wie überprüft man sein eigenes Denken?

    Gruß
    Michael

  11. onlinemeier schreibt:

    @Michael: Danke für die Nachfrage. Das eigene Denken kann man überprüfen, indem man es hinterfragt. In dem Fall von jemandem, der/die an einer Diskussion teilnimmt, nur um dort seine eigene, festgezurrte Meinung in den Raum zu stellen und nichts anderes zuzulassen, wäre bspw. der Gedanke „Die anderen haben keine Ahnung“ eine Überprüfung wert. Sie beginnt mit der Frage: Ist das wahr, dass die anderen keine Ahnung haben? Kann ich 100 Prozent wissen, dass die anderen keine Ahnung haben? Dies sind die ersten Fragen von „the work“ von Byron Katie. Hat man solche und ähnliche Gedanken, die zu Stress führen und dadurch zu Gefühlen und Körperreaktionen (meist negative), dann könnte es hilfreich sein, „the work“ zu machen. So man interessiert ist an den eigenen Strukturen. Ist das verständlich?

  12. Berta Brahmer schreibt:

    @onlinemeier beruft sich so:
    „Im Gegenteil, Luther hat immer wieder betont, dass man niemandes Gewissen zwingen kann!“
    Hätte er doch diese icht nur einmal auf seine eigen Äußerungen angewandt, z.B. zu seiner doktrinär gefaßten Ansicht zu den Juden …
    Eventuell wäre der Welt und dem Protestantismus viel Leid erspart geblieben, indem vor allem deutsche Menschen diese judenfeindlichen Äußerungen von prominenter Stelle nie gekannt hätten
    Ich weise darauf nicht hin, um Luther zu schmähen, sondern um auf ein Beispiel aufmerksam zu machen, wo sich etwas unreflektiert auf Persönlichkeiten berufen wird und damit die Brisanz dessen, was da mitschwingt, audsgeblendet wird, als ob es sie nie gegeben hat, als ob alles, was aus dieser Quelle stammt schon immer wahrhaftig, wichtig, richtig und wegweisend gewiesen sei …
    Ich kann an Luther, dem ich große andere Verdienste durchaus zuordne, nicht vorbei, ohne diese schmerzliche Seite zu beachten und auf die Notwendigkeit der intensiven Prüfung von Zitaten und deren Geber hin zu weisen, da alles andere üble (!) Trollerei oder gedankenlose Populistik ist.
    Wie Sie hier quellenverabsolutierend ihn auch noch zum Thema Gewissen und Zwang so lala zitieren, halte ich das für seine sonstigen Verdienste arg mißachtend und diskriminierend, das haben diese nicht nötig.
    Ein miserables Zitieren im Kontext des Zitierten am falschen Platz und so wohl voller Ironie.
    Ein Troll, wer anders dabei denkt.

  13. onlinemeier schreibt:

    @Berta Brahmer: ich berufe mich nicht auf Luther, es ist der Kommentator des Blogbeitrages, der sich auf Luther beruft.

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